Billy Idol und seine Anhängerschaft gehörten noch nie zu den Leisen im Lande. Ob als Vorzeige-Punk der Achtziger, ob als "gewandelter" Rock'n'Roller der Neunziger - der wilde Blonde stand immer für die etwas rauere Gangart, und wenn sich doch mal eine Ballade dazwischenschob, war das die Ausnahme, die die Regel bestätigte.

Vor allem live gab Billy den Poser vor dem Herrn und gewann auf diese Weise manchen Punk für den Rock'n'Roll.Jetzt ist ein Live-Mitschnitt eines Billy Idol-Auftritts in der "VH-1 Storytellers"-Serie erschienen, und beworben wird das Ganze als Unplugged-Version der größten Hits. Das mit den Hits kommt in etwa hin, das Prädikat "unplugged" stimmt nur bedingt.

Denn elektrische Bassgitarre und Hammond-Orgel funktionieren nun mal nicht ohne Stecker und sind nichtsdestotrotz bei praktisch jedem Stück im Einsatz. Was aber wiederum nichts macht, genauso wenig wie die Tatsache, dass Billys langjähriger Gitarrist Steve Stevens ab der zweiten CD-Hälfte auch noch die akustische Gitarre in die Ecke stellt und kräftige elektrische Breitsaiten abfeuert.

Die insgesamt sparsam arrangierten und im wesentlichen tatsächlich "akustisch" geprägten Versionen von "Sweet Sixteen" und Co. (ersteres als Reggae verkleidet) zeigen Billy als Rock'n'Roller von echtem Schrot und Korn, fit wie ein Turnschuh und musikantisch wie ..., ach was, Billy muss (und kann) man nicht vergleichen, also: musikantisch wie lange nicht mehr.

Anspieltipps: Der energisch pluggernde Überland-Rocker "Cradle Of Love", das entspannt groovende "Flesh For Fantasy" und, für die Elektriker-Innung, der Doors-Klassiker "L.A. Woman" in einer Schwermetall-belasteten Rockabilly-Version.

Christian Pfarr