Jubilar glänzt mit Waschbrettbauch

Billy Idol feiert 50. Geburtstag in Leipzig - vor 4500 Gästen in der Arena

Leipzig/MZ. Nee, Rockmusiker sind auch nicht mehr das, was sie mal waren:
Ewig-Punker Billy Idol stand am Mittwochabend in der Leipziger Arena auf der
Bühne - und zwar pünktlich! Wer kurz nach acht in Erwartung einer Vorband
die Halle absichtlich etwas später betrat, wurde bereits von den wummernden
Bässen des Idol-Klassikers "White Wedding" empfangen. Hoch droben auf den
Monitorboxen tobte derweil ein frischgefönter, blonder junger Mann und
feierte sich selbst an seinem Geburtstag.

Arme wie Möbelpacker

Ach ja, es war der 50. Das sollte man nicht vergessen. "Fifty years young",
brüllte William Broad, wie Idol bürgerlich heißt, seinen 4 500
Geburtstagsgästen entgegen: "Fifty years, but I feel younger." Sprach's und
trat nicht nur den akustischen sondern auch optischen Beweis an. Bei
"Scream", der ersten Single-Auskopplung aus seinem aktuellen Album "Devils
Playground" - dem ersten seit zwölf Jahren - riss sich Idol das Unterhemd
vom Leib. Zum Vorschein kamen ein schweißglänzender Waschbrettbauch und die
Oberarme eines Möbelpackers. Oh ja, es gibt 30-Jährige, die auch ohne
Idol'sche Drogen- und Alkoholexzesse schlechter aussehen.

Billy aber, das Frauen-Idol, durchmaß ohne Anzeichen von Erschöpfung im
Sauseschritt die mehr als 30 Jahre seiner Punk-Karriere. Nur bei "Sweet
Sixteen", wo er selber zur akustischen Gitarre griff, und bei einer
Cover-Version von "Louisiana", wurde es etwas ruhiger.

Gelegenheit für das Publikum, dem Wahl-Kalifornier nicht nur Applaus zu
spenden, sondern auch immer mal wieder "Happy Birthday" zu singen. Nur
einmal überspannte Idol den Bogen - auf das schräge "Yellin at the Xmas
tree" von seiner neuen Platte hätte er verzichten können. Doch zum 50. ist
ein Ausrutscher erlaubt.

Gänzlich ohne einen solchen spielte sich Idols Band durch den Abend. Allen
voran sein alter Kumpel Steve Stevens: Der Ausnahmegitarrist traktierte
seine Gibson nicht nur auf dem Rücken, sondern eine zwölfsaitige
Akustikgitarre bei einem fünfminütigen Solo auch so, als hätte die Klampfe
noch zwei Schwestern im Saal. Brian Tichy an den Drums, Stephen McGrath am
Bass und Derek Sherinian an den Keyboards komplettierten das
Rock'n-Roll-Orchester.

Rosen am Schlagzeug

Wobei Tichy ab und an Unterstützung von Idol erhielt, der dafür im Gegenzug
herunter gefallene Drumsticks an die Fans verschenken durfte. Nach mehr als
zwei Stunden schickte der frisch gebackene Jubilar sein treues Publikum mit
"Rebell yell" und "Money, Money" nach Hause. Griff sich den Strauß roter
Rosen, den er sittsam vor dem Schlagzeug abgelegt hatte. Und verschwand.

Nicht etwa zur heiteren Altrocker-Geburtstagsfete ins Hotel. Sondern in den
Tourbus Richtung Stuttgart. Auch junggebliebene 50-jährige Rocker brauchen
ihren Schlaf.