Donnerstag, 9. Juni 2005

 

Kultur / Medien

 

Billy Idol: Rock mit Spaß und Energie


Von Heinrich Oehmsen

Hamburg - Eigentlich war Billy Idol weg vom Fenster, weiter weg geht gar nicht. Das letzte Studioalbum 1993 floppte, ein Jahr später überlebte der Sänger eine Überdosis Drogen. Doch Idol gab nicht auf, zog sich an seinem blonden Schopf aus diesem Sumpf und musikalischer Krise. Vor ein paar Wochen kam mit "Devil's Playground" wieder ein solides Album des britischen Rockers heraus. Und Fans hat er immer noch in Hülle und Fülle. Sein Konzert am Sonnabend im Stadtpark jedenfalls war ausverkauft - was man angesichts der großen Konkurrenz in Hamburg auch erst mal schaffen muß.

Idol und seine erstklassige Band inklusive Gitarrist Steve Stevens entschädigten mit einem energiegeladenen Konzert für den schwachen Auftritt, den sie Anfang der 90er Jahre in der Alsterdorfer Sporthalle runtergeschrubbt hatten.

Idols Waschbrettbauch signalisierte, daß er mehr Zeit in Fitnessstudios als in Kneipen verbringt, die Stimme des 49 Jahre alten Punkrockers hat unter den früheren Exzessen nicht gelitten. Mehr als zwei Stunden lang gaben die vier Musiker Vollgas und hauten einen Hit nach dem anderen raus: "White Wedding", "Eyes Without A Face", "Sweet Sixteen" und natürlich "Flesh For Fantasy" und "Rebel Yell". Bei "Heartbreak Hotel" gab Idol die gekonnte Elvis-Presley-Imitation, bei weiteren Cover-Versionen erwies er den Doors ("L.A. Woman") und den Who ("Who Loves You?") seinen Respekt.

Billy Idol bedient alle möglichen Popstar-Klischees, er ist ein Relikt aus längst vergangenen Rock-Tagen, aber dennoch hat sein Auftritt sehr viel Spaß gemacht. Weil er weiß, was er seinen Fans geben muß. Weil das musikalische Fundament solide ist und die Songs einfach großartig und ohne Verfallsdatum.

erschienen am 6. Juni 2005 in Kultur / Medien