Billy Idol
Devil's Playground



Dem blonden Briten mit dem zivilisierten Punker-Haarschnitt liegt der Rock'n'Roll im Blut. Zumindest dachte er das selbst am allermeisten und freundete sich schnell mit den Begleiterscheinungen des Business an. Sex, Drogen und Absturz: Billy Idol ließ keine Station aus. Rund zwanzig Jahre nach seinem Welterfolg mit dem Album "Rebel Yell" macht der trotz aller Eskapaden erstaunlich jung gebliebene Sänger die Musik, den Rock'n'Roll, wieder zu seinem Lebensmittelpunkt.
 

Trotzdem sei vor überhöhten Erwartungen gewarnt, schließlich trat Idol in den letzten Jahren kaum als Sänger in Erscheinung. Von seinen beiden Best-Of-Alben in der jüngeren Vergangenheit einmal abgesehen. Zwischendurch brillierte er zusammen mit Drew Barrymore und Adam Sandler in der 80er-Komödie "The Wedding Singer" ("Eine Hochzeit zum Verlieben") und unternahm auch sonst alles, um seine Leben zum anstehenden 50er im November wieder in geregelte Bahnen zu lenken.

TRACKLISTE
    1. Super Overdrive
    2. World Comin' Down
    3. Rat Race
    4. Sherri
    5. Plastic Jesus
    6. Scream
    7. Yellin' At The Xmas Tree
    8. Romeo's Waiting
    9. Body Snatcher
    10. Evil Eye
    11. Lady Do Or Die
    12. Cherie
    13. Summer Running
 
"Devil's Playground" will nicht der große Wurf sein. Und das ist gut so. Für Billy Idol geht es darum, wieder Lust und Laune an der Musik zu finden. Ein Erfolg, offensichtlich, denn in punkto Spielfreude überzeugt Idols erstes Studioalbum seit "Cyberpunk" (1993) auf der ganzen Linie. "Devil's Playground" ist mit Sicherheit nicht der Weisheit letzter Schluss, aber doch ein gutes Album, das von Beginn an Freude macht und einen sehr wandlungsfähigen Billy Idol präsentiert.

Gleich zu Beginn lässt Idol die Punk'n'Roll-Gitarre auf vollen Touren röhren, so dass selbst The Bones eine leichte Neidesröte zu Gesicht steigen dürfte. Fans des Briten werden ihr Idol hier kaum wiedererkennen. Die typische Intonation, der idolsche Zungenschlag fehlt hier. "Scream" dagegen macht den Brückenschlag zu "Rebel Yell" überdeutlich. Das ist der Billy Idol der Vergangenheit. Zum Glück steht "Scream" im Kontext von "Devil's Playground" ziemlich einzigartig da.

Im letzten Drittel der Platte zeigt sich Idol schließlich von seiner zarten Seite, bewegt sich mit "Evil Eye" zuerst im Fahrwasser von Soundgarden und huldigt bei "Lady Do Or Die" dem zeitlosen Boom-Chacka-Boom, mit dem Johnny Cash so manchen Song unterlegte. Billy Idol ist wieder oben auf, so viel ist nach "Devil's Playground" sicher. Und wenn man über "Yellin' At The Xmas Tree" den Mantel des Schweigens ausbreitet, bleibt nicht viel mehr zu tun, als Billy Idol zu seinem Comeback zu gratulieren.