Von Frank Rauscher
22. Jun 2008, 08:57

Eindrucksvoll meldete sich Billy Idol nach längerer Abstinenz im Rockzirkus zurück: Mit dem Album 'Devil's Playground' zeigte er vor allerdings auch schon wieder drei Jahren, dass er nichts verlernt hat. Altrocker? Falsche Schublade! Idol bewies Wandlungsfähigkeit, hat die Glamrock-Vergangenheit hinter sich gelassen und sich mit einer deftigen Schweinerocker-Attitüde der Biker-Fraktion zugewandt. Hat neue Inhalte gefunden, die sich fast schon countryesk und ironisch selbstreflektierend um die Freiheit on the road ranken oder durchaus kritisch Zeitgeist und Gesellschaft reflektieren. Statt 'Hot In The City' hieß es auf einmal: 'Plastic Jesus'. Dass dies alles trotzdem irgendwie schlüssig ist, beweist ein Blick auf Idols Vita. 'The Very Best Of Billy Idol - Idolize Yourself' bietet dazu allerbeste Gelegenheit. Außerdem sind die 18 Tracks und 13 Video-Clips, die in der Limited Edition auf DVD mitgeliefert werden, eine gute Einstimmung für die Tour, die den 52-Jährigen im Juli und August durch Deutschland führt.

'New Future Weapon' und 'John Wayne' heißen die beiden neuen Tracks auf dieser Hitkopplung. Sie schließen sich musikalisch wie inhaltlich direkt an die Songs von 'Devil's Playground' an. Da ist von 'highway' und 'my way' die Rede - nicht peinlich, sondern mit dem Selbstverständnis eines Mannes dargeboten, der weißgott genug Landstraßen-Staub und Leben inhaliert hat, um mit solchen Textzeilen cool zu sein.

Man mag es sich gut vorstellen, wenn Idol auf seiner Harley durch die High Desert cruist und über seine große Zeit nachdenkt. Hits, Geld, Frauen, Drogen. Nicht mit einer 'Früher war alles besser'-Haltung, sondern vom Leben geläutert. Heute schreibt Idol Songs, in denen er bekennt, dass längst nicht alles gut und richtig war in den 80-ern, jenen Jahren, in denen er als kleiner Spießbürgerschreck einmal ganz oben mitspielte. Der 'SZ' sagte er vor ein paar Jahren im Interview: 'So waren sie nun mal, die 80er-Jahre. Total gaga. Wir liefen alle herum wie die Vampire und haben gar nicht bemerkt, dass wir uns selber aussaugen.' Er hat sie Gott sei Dank überlebt, diese Jahre. Und wenn er so weitermacht, wie auf 'Devil's Playground', wer weiß, dann wird dieser durchgeknallte Engländer, der sich seit den frühen 80-ern erst in New York und danach in L.A. durchsoff, noch das, was Iggy so gerne sein würde: nämlich so eine Art Johnny Cash der Punkbewegung. Jedenfalls darf kein Mensch diesen 52-Jährigen einen 'Altrocker' schimpfen, denn Billy Idol klingt wieder so, als wäre er gerade im Karrierefrühling.

Auf der CD befindet sich natürlich alles, was im Idol-Kosmos Rang und Namen hat. Also große 80er-Party mit: 'White Wedding', 'Rebel Yell', 'Eyes Without A Face', 'Flesh For Fantasy', 'Catch My Fall', 'Sweet Sixteen', 'Dancing With Myself' ... Der Mann war mal ne Hitmaschine.

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